Ohne Girokonto - so helfen Sie sich
Ein Leben ohne Girokonto ist für die Meisten unvorstellbar. Trotzdem gibt es in Deutschland mehr als eine Million Menschen, die ohne Girokonto überleben müssen. Die Banken haben ihnen das Girokonto gekündigt oder verweigern die Kontoeröffnung eines neuen Girokontos. Die Gründe dafür, ohne Girokonto leben zu müssen, sind verschieden. In dem meisten Fällen ist der Kontoinhaber in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Es kam zu einer Pfändung, zur Zwangsversteigerung, persönlicher Insolvenz oder das Girokonto ist schlichtweg so weit in den Schulden, dass es dicht gemacht wird. Manchmal reicht bereits eine einzige Kontopfändung aus und man steht ohne Girokonto da. Einmal längeren Ärger mit dem Finanzamt oder dem Ordnungsamt. Es kann schnell gehen mit der Kontoschließung.
Wenn die Kündigung von der Bank im Briefkasten liegt oder wieder einmal ein Antrag zur Kontoeröffnung abgelehnt wurde, wird es eng. Miete, Strom, Internet, Telefon, Fernsehen wollen alle per Überweisung oder Lastschrift bezahlt werden. Ohne Girokonto geht in Deutschland kaum noch etwas und man wird als Kunde ohne Konto schnell als Mensch zweiter Klasse abgestempelt. Einige Anbieter, ermöglichen es ihren Kunden zwar Rechnungen auch bar zu bezahlen, das ist aber eher die Ausnahme.
Kunden die ein Girokonto haben wollen und abgelehnt werden, sind jedoch nicht ohne Rechte. Die Banken haben sich vor mehr als 10 Jahren freiwillig dazu verpflichtet, allen Kunden ein Girokonto auf Guthabenbasis zu gewährleisten. Dieses Konto funktioniert dann so ähnlich wie eine Prepaid Karte beim Handy. Guthaben, welches sich auf dem Girokonto befindet, kann vom Inhaber ganz normal in Anspruch genommen werden. Die Möglichkeit in den Dispo zu gehen oder zu überziehen gibt es nicht. Trotz Selbstbekenntnis der Banken, alle Kunden ohne Girokonto aufzunehmen, werden viele Anfragen abgelehnt. Risiko Kunden mit Problemen will die Bank nicht so gerne haben. Mit Hartz IV Empfängern, Arbeitslosen, Verschuldeten oder gar insolventen Kunden lässt sich nun mal weniger Geld verdienen. Falls man der Kontoantrag abgelehnt wird oder das Girokonto gekündigt wird, heißt es hart und energisch bleiben. Erinnern Sie die Banken daran, dass sie sich selbst 1995 dazu verpflichtet haben, allen Kunden ohne Girokonto wenigstens ein Konto auf Guthabenbasis anzubieten. Besteht die Bank auf ihrer Absage, können weitere Schritte eingeleitet werden. Fordern Sie die Bank auf, Ihnen die Absage schriftlich zu geben. Mit der schriftlichen Begründung können Sie dann zu der Beschwerdestelle der Bank gehen und dort erneut fordern, dass Sie zum Girokonto zugelassen werden. Jede Bank hat eine öffentliche Beschwerdestelle.
Hilft auch das nicht weiter, gehen Sie eine Ebene höher. In Berlin gibt es eine übergreifende Beschwerdestelle für Streitigkeiten von Kunden mit Privatbanken. Weitere Informationen über die Beschwerdestelle beim Bundesverband deutscher Banken, beispielsweise welche Banken dem Verband angehören, finden Sie auf dieser Webseite. Prüfen Sie zunächst, ob die Bank die Ihnen kein Girokonto geben will, dem Bundesverband angehört. Kontaktieren Sie anschließend den Bundesverband und fragen Sie nach einem Ombudsmann. Das ist ein unabhängiger Schlichter, der bei Streitigkeiten zwischen Bank und Kunden vermittelt. Teilen Sie dem Ombudsmann mit, dass Sie ohne Girokonto sind und Ihnen von der betroffenen Bank kein Girokonto bewilligt wird. Alles weitere läuft dann über den Ombudsmann.
Eine weitere Alternative wenn man ohne Girokonto auskommen muss, sind die Sparkassen. In den neuen Bundesländern, sowie Nordrhein-Westfalen und Bayern gibt es eine Sparkassenverordnung. Demnach müssen die regionalen Sparkassen in diesen Ländern allen Kunden ohne Girokonto wenigstens ein Konto auf Guthabenbasis bewilligen. Bis auf sehr wenige schwarze Schafe, halten sich die Sparkassen in diesen Bundesländern auch daran.
Als Faustregel sollte man sich merken, dass die Banken einem kein Girokonto verweigern dürfen, nur weil Sie keine oder geringe Einkünfte haben. Auch ein negativer Schufa Eintrag reicht nicht aus, um dauerhaft ohne Konto bleiben zu müssen. Ein Finanzinstitut darf Sie jedoch ablehnen, falls Sie Angestellte belästigt der beleidigt haben oder Ihre Selbstangaben zur Person absichtlich falsch sind. Es ist weiterhin sehr wichtig, dass Sie als Kunde alle Vereinbarungen mit der Bank einhalten. Wenn Kontoführungsgebühren vereinbart werden, müssen diese bezahlt werden. Es ist besser sich ein Konto zu suchen, dass ohne monatliche Gebühren geführt werden kann und bei dem es eine kostenlose Geldkarte gibt.